Mit dem Motorrad entlang der Jakobswege ...

... durch Frankreich, über St.Jean-Pied-de-Port, nach Santiago de Compostela und ans "Ende der Welt": Kap Finisterre... zurück, ein Stück entlang dem aragonesischen Weg, über Jaca.Um diese, über 5000 km lange, Reise, die am 17.5.2010 begann und am 3.6.2010 endete, geht es in diesem Blog (aktuellster Beitrag oben! Beginn der Reise "unten").

Ein spezielles Interesse lag auf den Templerorten und der Geschichte des Jakobsweges.


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Sonntag, 29. März 2015

Tag 14 - weiter als geplant - Reisebericht 29

Zwischen Astorga und Leon testeten wir die mautpflichtige Autobahn und stellten fest, dass es keinen Unterschied zur mautfreien gab. Weder Straßenbelag, noch der Verkehr änderten sich.

Für die kurze Strecke von etwa 40 km zahlten wir zusammen allerdings 8,80 €. Das war uns zu teuer, denn die Nationalstraßen in Spanien sind auch sehr gut ausgebaut und wir waren nicht bereit, nur weil man auf der Autobahn ein wenig schneller fahren darf, so viel zu bezahlen. Vor allen Dingen, waren wir sowieso schon schneller vorangekommen als angenommen und jetzt schon ein gutes Stück weiter, als geplant.
Als eine Pause nötig war, und wir keine Lust auf Raststätte, Tankstelle oder Parkplatz hatten, fuhren wir die nächst größere Stadt an: Sahagun.

Sie entstand nicht aufgrund des Jakobsweges, sondern stammt mindestens aus römischer Zeit.

Wir parkten vor einem Mauerbogen, der die Straße überspannte. Wie wir erfuhren, standen wir somit auf dem Gelände der früher einmal mächtigsten Abtei am Jakobsweg, deren Ursprünge ins 9. Jhrdt. zurückgehen. Hier wurden spätere Könige und Bischöfe erzogen.
Neben dem Bogen, der sicher einmal zu einem größeren Gebäude gehörte, steht ganz in der Nähe noch die Ruine der Kirche.







Inzwischen wussten wir ja, wo man in Spanien Restaurants und Geschäfte findet und so machten wir uns auf den Weg zur Plaza Mayor.

Auf unserem Weg dorthin kamen wir an San Tirso vorbei. Die Kirche stammt aus dem 12. Jhrdt und ist der früheste Backsteinbau der Gegend. Der Baustil ist mudejar (s. Baustile ins Spanien).







Im Innenraum gibt es, typisch für den mudejaren Baustil, zahlreiche verblendete Rund- und Hufeisenbögen und Ziegelmuster zu sehen.





Neben einigen Prozessionsfiguren, sind auch Holzmodelle, der Bauwerke von Sahagun ausgestellt. Die Teile aus Naturstein, sind hier aus hellem Holz gemacht, die Backsteine, Stück für Stück aus dunklerem Holz.




Skulptur mit interessantem Schnurmantelverschluss

An der Plaza Mayor setzten wir uns in den Schatten und genossen ein kühles, alkohlfreies Bier und Tapas aus sauren Gurken, Perlzwiebeln und Anchovisfilets. Bei der Hitze genau das Richtige!

Die spanischen Familien trafen sich hier in ihrem Sonntagsstaat. Auch die Kinder waren mit Kleidchen und Schleifchen herausgeputzt - Kleinstadtidylle eben.

Die Geschäfte um die Plaza hatten teilweise geöffnet und ich holte in einer Bäckerei für wenig Geld, zwei große Stücke Thunfischempanada für unterwegs.



Wir suchten auch noch die zweite Backsteinkirche, San Lorenzo, in Sahagun auf. Sie war jedoch wegen Renovierungsarbeiten geschlossen. San Lorenzo stammt aus dem 13. Jhrdt.

Obwohl Sahagun zu unrecht im Reiseführer nicht besonders hervorgehoben worden war, fand ich die Sehenswürdigkeiten doch lohnend, auch wenn die "modernen" Häuser außen herum nicht gerade eine Augenweide darstellten.







Von Sahagun aus, fuhren wir wieder ein langes Stück auf der mautfreien Autovia, diesesmal die A-231. Kurz vor Burgos hielten wir in Las Quintanillas für eine Mittagspause.

Kirchen bieten eigentlich immer Schatten, oder einen Kirchenvorplatz etc. und auch hier war es nicht anders.







Bei Burgos wollte ich mir eigentlich die Cartuja de Miraflores ansehen und in der Nähe hätte man auch übernachten können. Aber wieder waren wir schneller gewesen, als ich geplant hatte und es war einfach noch zu früh, um schon eine Unterkunft zu suchen.

Also beschlossen wir, nach dem Besuch, weiterzufahren.

Mit der Beschilderung in und um Burgos hatten wir ja schon ein Mal unsere Probleme gehabt und dieses Mal wurde es nicht anders. Obwohl das Kartäuserkloster als Nationalmonument gilt und sonst in Spanien, jedes Kapellchen anhand der Beschilderung zu finden ist, entdeckten wir keinen Hinweis.

Ralf hatte absolut keine Lust zu suchen und so wandten wir Burgos unverrichteter Dinge den Rücken. Als wir an San Medel vorbeifuhren, fiel mir ein, dass dieser Ort ganz in der Nähe des Klosters lag und bog kurzerhand ab. Meine Annahme, so nahe beim Kloster müsste sich doch ein Wegweiser finden, war falsch.

Ich fragte einen Spanier und der beschrieb mir zwar den Weg, sah jedoch, dass ich so gut wie nichts kapierte, außer dass es nicht weit sei. Also holte er sein Auto und fuhr uns voran.

Abenteuerlich! Erstens fuhr er so schnell, dass er den ganzen Staub und Dreck der Straße aufwirbelte und zweitens nahm er überhaupt keine Rücksicht auf die Schwellen, die man in die Straße eingebaut hatte, um den Autoverkehr zu verlangsamen. Die Straße wurde immer schlechter und schließlich zur Schotterpiste, dann zu einem tief ausgewaschenen Feldweg, um über eine provisorische Brücke zu führen.

Das war dann doch des Guten zu viel und ich drehte um.

Ohne weitere, größere Aufenthalte fuhren wir auf der N 120 nach Logrono. Durch die Gänseberge gab es da noch ein bisschen was zu sehen. Es gibt ein paar Kurven und es geht auf und ab. Dann jedoch wurde es ziemlich langweilig, wie das nun mal so bei Autobahnfahrten ist.

Ein bisschen Abwechslung gab es nur, weil wir auch mal die Motorräder tauschten.

Ziemlich kaputt, vor allem durch die Hitze und ziemlich spät kamen wir dann in Logrono an.

Montag, 16. Juni 2014

Tag 10 + 11 - Santiago de Compostela - Reisebericht 24

Die Casa do Zuleiro war leicht zu finden, weil gut ausgeschildert. Das Anwesen, das aus mehreren Gebäuden besteht, liegt am Hang, nicht weit von der Ortschaft Outes entfernt. Zum Meer sind es nur ein paar Kilometer.



Die Casa bietet alles, was man für einen Ferienaufenthalt benötigt:
Nette, hilfsbereite Wirtsleute, die sogar gut (Schweizer-) deutsch sprechen, schöne Aufenthaltsräume, Garten und Terasse, nach Absprache leckeres Essen und ein reichhaltiges Frühstücksbuffet, gemütliche Zimmer, Parkmöglichkeiten usw.
Wir waren also rundum zufrieden, hatten wir doch schon wieder ein Sahnestück erwischt.

Eines der Zimmer in der Casa do Zuleiro




Am Donnerstag dem 27.5. unserem 11. Reisetag, sah es nach Regen aus. Wir beschlossen, nach einem ausgedehnten Frühstück, nach Santiago de Compostela zu fahren.

Die Strecke kannten wir zwar schon, trotzdem verfransten wir uns in Noia, wo gerade Markt und alles auf den Beinen war, gehörig. Irgendwie fanden wir uns im Küstenwald, auf einem kurvenreichen Sträßchen wieder, wo wir auch noch in eine Polizeikontrolle gerieten. Bevor allerdings die Guardia irgendetwas meinen konnte, fragte ich nach dem Weg, worauf man sich kurz beriet. Schließlich waren sich die Beamten einig. Bevor sie uns auf irgendwelche komplizierten und abenteuerlichen Strecken schickten, rieten sie uns zurück zu fahren, nach Noia.

Die Waldstrecken durch diese Mittelgebirgsbarriere zwischen Küste und "Inland", hatte schon ihre fahrerischen Reize. Leider scheint es so zu sein, dass hier die feuchte Luft vom Meer herkommend, in der kälteren Höhe kondensiert. Entweder fährt man also durch die Wolken, was Nebel bedeutet, oder man hat mindestens Nieselregen.

Gegen 13.00 trudelten wir dann in Santiago de Compostela ein, wo wir am Beginn der Fußgängerzone sogar einen kostenlosen Motorradparkplatz fanden.



Wir folgten dem Touristen- und Pilgerstrom, der sich zielstrebig auf die Kathedrale zubewegte. Unterwegs kamen wir an unzähligen Souvenirläden, Spezialitätengeschäften und Restaurants vorbei.

Alle paar Meter wollten Verkäuferinnen den Vorbeigehenden irgendwelche Gebäckstücke zum Probieren geben. Es herrschte babylonisches Sprachengewirr und manchmal schon fast Gedränge. So langsam bekam ich eine Ahnung davon, was hier los ist, wenn wirklich Hochsaison ist, oder gar heilige Woche im Kalender steht.

Am Anfang findet man das alles noch interessant. Nach dem x-ten Aquarium mit Meeresfrüchten und Hummer, dem x-ten Kartenständer und der x-ten jungen Dame mit Keks etc. schaut man gar nicht mehr hin.

In dieser Stadt ist man relativ schnell satt. Mein Begleiter meinte dazu: Der Tourismus schlägt hier alles tot.

Wenn wir mit dem Auto hier gewesen wären, wäre es sicher teuer geworden. Der begrenzte Platz auf den Motorrädern, rettete unser Konto ;) Im Nachhinein, ärgert es mich aber, dass ich mir nicht wenigstens eines der launigen Spanien T-shirts oder ein witziges Pilgershirt gekauft habe. Die Preise schienen mir nicht besonders hoch zu sein. Spanier mögen das anders sehen.


Prazo Obradoiro und Pazo de Raxoi gegenüber der Kathedrale


Zwischen bedeutungsvollen Gebäuden aus verschiedenen Jahrhunderten schlenderten wir dahin, bis der riesige Prazo Obradoiro, der Kathedralenvorplatz, vor uns lag. Der Pazo de Raxoi nimmt in ganzer Breite, die der Kathedrale gegenüberliegende Seite ein.

Vor dem Kathedralenmuseum, neben der Kathedrale
Auf diesem Treffpunkt treibt das Touristengeschäft seltsame Blüten. Die beiden Herren (Jesus und Jakob) oben, sehen aus, als hätte man sie aus einer dieser überladenen Kirchen entwendet. Bärte, Haare und Kleidung wirken wie geschnitzt. Sie können sich nur begrenzt rühren, sonst blättert wahrscheinlich die Schminke ab. Man kann sich zwischen ihnen fotografieren lassen und sie geben den Menschen sogar die Hand. Ob man dafür etwas bezahlen muss, oder die beiden das nur aus Spaß an der Freude machen, entzieht sich allerdings meiner Kenntnis.



 Aber es muss ja nicht gleich Jesus oder ein Heiliger sein, ein Pilger aus dem Mittelalter, wäre auch im Angebot gewesen. Den Herrn, der hier von hinten zu sehen ist (oder einer seiner Kollegen), habe ich schon öfters auf Fotos im Web gesehen.

Blick vom Pazo de Raxoi zurück, auf das Kathedralenmuseum (links) und das Colegio de San Jeronimo

Das galicische Regierungsgebäude ist ein ehemaliger Bischofspalast, mit schönen Arkadengängen. Hier befindet sich auch das Bürgermeisteramt von Sanitago.



Auf dem Giebel ist die Schlacht von Clavijo dargestellt, in der Jakob erschienen sein soll.

Auf dem First begegnet er uns dann zum x-ten Mal: der heilige Jakobus als Matamoros, der Maurentöter.



Rechts neben dem Pazo de Raxoi, befindet sich das ehemalige königliche Pilgerhospiz, Hostal Real bzw. Hostal de Los Reyes catolicos, das von Königin Isabel der Katholischen 1492 in Auftrag gegeben wurde.

Pilger und auch andere Besucher können hier, in einem der teuersten Paradores Spaniens immernoch übernachten und auch die königliche Familie pflegt hier abzusteigen.

Für die Öffentlichkeit zugänglich ist ein Ausstellungsraum und ein Cafe.



Die Barockfassade ist ziemlich bemoost und teilweise auch begrünt, was mich im heiligen Jahr doch etwas erstaunt hat. Dahinter verbirgt sich die romanische Fassade. Immerhin stammen die ältesten, erhaltenen Bauteile der Kathedrale aus dem 11.Jhrdt und im Grunde handelt es sich um einen romanischen Bau.




Das Innere der Kathedrale, ist wie das Äußere : in großen Teilen überladen.

Als wir die Kathedrale betraten fand gerade ein Gottesdienst statt. Trotzdem ließ das Wachpersonal das Betreten zu. Sogar eine Schulklasse wurde durchgeschleust. Ohne Verwunderung registrierte ich, dass die spanischen Jugendlichen sich zum Teil mehrfach bekreuzigten, wenn nicht sogar kurz niederknieten.

Die Messe lief über eine Lautsprecheranlage, in einer Lautstärke, die fast nicht mehr auszuhalten war. Es waren zahllose kirchliche Würdenträger anwesend. Ich sah einige Bischofsmützen und auch die roten Kappen von Kardinälen. Außerdem jede Menge Brüder aus den verschiedenen Orden, die in Santiago ein Kloster o.ä. unterhalten.

Am Ende wurde der Botafumeiro, der riesige Weihrauchkessel, durch die ganze Kathedrale geschwungen. Dieses Spektakel findet inzwischen nur noch gegen klingende Münze statt.




Wir hatten relativ schnell genug von dem Kommen und Gehen hier. Mit den Gottesdienstbesuchern verließen wir die Kathedrale.

Auch die Monumentalarchitektur, der man hier überall begegnet, konnte uns nicht fesseln. Irgendwie herrschte hier eine Stimmung, die uns nicht besonders einladend erschien. Alles fühlte sich nach unpersönlicher Massenabfertigung an.

Wir machten uns wieder auf den Rückweg, stöberten in ein paar Geschäften und gingen dann noch Essen.

Wir hatten: Surtido de Pinchos (Auswahl von Weißbrotscheiben mit Belag/Aufstrich/Salat), Morcillas de Burgos (waren in Burgos besser), Ensaladilla (span. Kartoffelsalat) 2 Espresso, 2 Bier und zahlten 25€.

Insgesamt waren wir von Santiago eher enttäuscht. Vielleicht wären wir der Stadt näher gekommen, hätten wir dort gewohnt. Santiago bietet mit all den historischen Gebäuden, die man auch teilweise besichtigen kann, den vielen Museen, den Bars und Restaurants genug um mehr als ein oder zwei Tage zu füllen. Die Übernachtungen in Santiago wären uns aber relativ teuer gekommen.

Zurück in der Casa fuhr unser Pensionswirt netterweise mit uns in einen Supermarkt zum Einkaufen. Er meinte, dass Santiago halt vor allem "Geschäftemachen" und sehr unpersönlich sei. Wohlfühlen würde er sich dort auch nicht wirklich.

Die Wäsche, die wir der Hausherrin überlassen hatten, hing schon zum Trocknen.

Den Rest des Tages faulenzten wir, sahen fern, schrieben Karten und lasen.


Tag 10 - noch 120 km bis Santiago de Compostela - Reisebericht 23



Am Morgen des 10. Reisetages, es war Mittwoch der 26.5., regnete es in Strömen. Das Wasser lief in kleinen Bächen durch den Hof der Casa Pacios.
GoogleMaps Karte
Deshalb hatten wir es auch an diesem Morgen nicht eilig, mit dem Fortkommen. Es waren nur noch 120 km bis Santiago und 190 km bis zur Casa do Zuleiro, wo wir auch die nächsten beiden Tage verbringen wollten.

Die nette Dame, die sich in der Casa Pacios um die Gäste kümmerte gab uns noch Zeit bis 11.00, dann machten wir uns auf den Weg. Zum Glück hatte der Regen etwas nachgelassen.
Dass wir in Samos nicht gehalten haben, finde ich heute etwas schade. Aber wenn man grade wieder im Fahren drin ist, hält man nicht so gerne gleich wieder an, besonders dann, wenn es regnet.

Eine oft dreispurig ausgebaute Berg- und Talbahn, wieder ein Mal eine Traumstrecke zum Motorrad fahren, brachte uns weiter voran.
Ohne weitere Aufenthalte fuhren wir nach Vilar de Donas. Die Kirche dort, ist die interessanteste um den Ort Palas de Rei herum und so statteten auch wir ihr einen Besuch ab.

Ausführlich und mit vielen Detailfotos







Klostermauer und Blick auf die halbrunden Apsiden.
Das Portal

Die Kirche San Salvador wurde im Jahr 1184 zum ersten Mal schriftlich erwähnt, als sie vom Santiagoritterorden übernommen wird. Sie ist jedoch etwa 200 Jahre älter und scheint zu einem Frauenkloster, bzw. einem Rückzugsort für adlige Damen gehört zu haben.

Wappen der Santiagoritter - das Jakobskreuz


Während die Kirche heute in passablem Zustand ist, stehen vom Kloster nur noch wenige Mauern. Das betreten der Ruinen ist nicht möglich.

Im Inneren der Kirche sind verschiedene Fragmente von Steinmetzarbeiten, Grabplatten und Sarkophage ausgestellt. Eine nette Dame kassierte einen kleinen Obolus und machte uns dafür auf verschiedene Besonderheiten aufmerksam.
Um die Kirche herum fand man zahlreiche Gräber, weil dieser Ort zur allgemeinen Begräbnisstätte der Santiagoritter wurde.

Altaraufsatz mit der Abbildung des Hostienwunders von O Cebreiro und Galicischer Gral
Der Altarraum ist mit spätmittelalterlichen Fresken ausgemalt 
Ein Rätsel gibt das Templerkreuz an der Wand und innen über dem Portal auf. War die Kirche, bevor sie in den Besitz der Santiagoritter kam, Templerbesitz?

Oder sind die Reliefe eine Hommage der Santiagoritter an das Vorbild, die Templer?

Bisher konnte ich dieses Rätsel noch nicht lösen.

Jedenfalls taucht Vilar de Donas in den galicischen bzw. spanischen Listen der Templerorte auf. Aber vielleicht, haben da wieder mal alle bei einem abgeschrieben, der auf dem Holzweg ist.





Auf jeden Fall, war Vilar de Donas den kleinen Umweg wert, den wir gemacht haben.

Wir kehrten zurück auf die N 547.
Sie verbindet Santiago mit Lugo, wo man wieder auf die Autobahn zurückgreifen kann. Dementsprechend gut ausgebaut ist die Strecke, aber auch dementsprechend viel Verkehr herrscht hier. Natürlich waren auch wieder jede Menge LKWs mit von der Partie.

Und immer wieder lief der Jakobsweg ein Stückchen an der Straße entlang, oder kreuzte sie. Unzählige Pilger waren hier unterwegs.

Die Orte an der Nationalstraße haben sich auf die Trucker, die Touristen und Pilger natürlich eingestellt. Man hat weder ein Problem, eine Tankstelle zu finden, noch ein Restaurant oder einen Imbiss. Dafür fehlt es an Atmosphäre.

Kurz vor Santiago wird die Nationalstraße zur A 54. Wir folgten ihr nicht lange, sondern bogen nach San Marcos ab. Schon hier ist der Monte do Gozo (Berg der Freude) ausgeschildert.

Dieser Berg war für die mittelalterlichen Pilger der Punkt, von wo aus sie Santiago zum ersten Mal sahen. Man kann sich leicht vorstellen, wie bewegt die Menschen zu allen Zeiten waren, wenn das Ziel endlich in greifbare Nähe rückte. Ab hier ging man in früheren Zeiten die letzten 5 km barfuß.

Heute gibt es um den Monte do Gozo eine Megapilgerherberge, ein Auditorium unter freiem Himmel und ein Denkmal, das an den Besuch von Papst Johannes Paul II. erinnert.

Wir jedoch suchten das Pilgerdenkmal.


Der Wind kommt meistens von Westen

ein erster Blick auf Santiago
Das Pilgerdenkmal war eingezäunt gegen die Unvernunft.







So ein Zoom ist manchmal besser als ein Fernglas





Der Blick aus der Ferne und die Gewissheit, es tatsächlich bis hierher geschafft zu haben, genügten uns für's Erste. Jetzt hatten wir noch 70 km bis zu unserer Unterkunft an der Küste.

Die richtige Straße zu finden, stellte sich als genauso schwierig, wie in Burgos heraus. Jedoch fanden wir die Richtung, ohne uns zu verfahren. Anfangs fuhren wir Richtung Pontevedra, dann jedoch immer Richtung Noia.

Das Küstengebirge, das man auch auf den Fotos oben, im Hintergrund sieht, bescherte uns noch einmal eine etwas anspruchsvollere Kurvenstrecke durch duftende Eukalyptuswälder.

Wo der Rio Tambre in die Ria Muros y Noia mündet, hatten wir zum ersten mal einen schönen Blick hinaus auf den Atlantik. Wir waren fast am westlichsten Punkt Europas angelangt (nach mittelalterlicher Meinung).

Sonntag, 15. Juni 2014

Tag 7 - die Kathedrale von Burgos - Reisebericht 17

Umläuft man die Kathedrale von Burgos und versucht man sich ein Bild von ihr, in ihrer Gesamtheit zu machen, ist man schlicht überfordert.

Entstanden auf dem Gelände der früheren romanischen Basilika, wurden derart viele Gebäude, Kapellen etc. an die gotische Kathedrale angefügt, dass ihre ursprüngliche Form überhaupt nicht mehr zu erkennen ist. Auch vom Baustil her, kann man keine Zuordung treffen. Durch die lange Bauzeit vermischen sich Gotik, Renaissance und Barock.
Man hat den Eindruck einem Komplex, bestehend aus mehreren Kirchen gegenüberzustehen.

Auch wenn das Unternehmen einer Besichtigung nur einen groben Einblick verschaffen kann, ist sie, meiner Meinung nach, ein absolutes Muss.
Auch Menschen, die eigentlich mit Kirchen nicht allzuviel am Hut haben, werden allein schon durch die herrlichen Fensterrosetten, die Schönheit der gotischen Architektur und die Gestaltung der Decken beeindruckt sein.
Außerdem beherbergt die Kathedrale eine Schriften- , eine Gemäldesammlung, eine Sammlung von kirchlichen Gewändern aus verschiedenen Jahrhunderten, die Truhe des Cid u.v.m.

Die Kathedrale ist vom Papst zur Basiika minor erhoben worden, gehört zum Weltkulturerbe und ist in ihrer Gesamtheit, Grabmal des spanischen Nationalhelden "El Cid", dessen Gebeine zusammen mit den Überresten seiner Frau, hierher umgebettet wurden.

Fotos durch Anklicken z.T. erheblich vergrößerbar

Von der Plaza Santa Maria aus gesehen (Südseite)







Die Westfassade mit der Galerie der 8 Könige von Kastilien und Leon. Die Türme wurden von Hans von Köln geschaffen und sind 80 m hoch.

Wir kauften also zwei Eintrittskarten für je 5 €, bekamen einen deutschen Flyer und machten uns auf den Weg.

Und natürlich wird man vom Inneren der Kathedrale erschlagen. 19 Kapellen, 35 Gitter, 38 Altäre, unzählige Säulen, Reliefs, Gemälde und Skulpturen kann man sich gar nicht alle wirklich ansehen.

Man darf zwar ohne Blitz fotografieren, aber die Wahl der Motive, fällt angesichts der Vielfalt schwer.

Sympathisch war für mich war die Tatsache, dass die Kathedrale eher mit schöner Architektur, als mit Blattgold protzt. Am Besten gefielen mir die Fensterrosetten und die Deckensterne.


Süden




Capilla de la Presentacion 1519-1524

Westen
Ganz ohne Gold geht's dann allerdings doch nicht.

Allein den Altaraufsatz in der Capilla de Santa Ana könnte man sich eine ganze Zeit lang ansehen. Er zeigt den Stammbaum von Jesus. In der Mitte sind die Eltern von Maria dargestellt. Der mittelalterliche Mensch konnte die Bildsprache noch deuten, wir hingegen bräuchten schon jemanden der sich auskennt und erklärt, was all die Kleinigkeiten zu bedeuten haben und wer all die dargestellten Personen sind.




Die Grabplatte über der Beisetzungsstätte des Cid und seiner Frau, ist vergleichsweise bescheiden ausgefallen. Sie liegt jedoch in der Mitte der Kathedrale, unter der Vierung.





Blick nach oben in den Vierungsturm

Sternengewölbe der 1517 beendeten Kapelle der Condestables


Im mehrgeschossigen Kreuzgang (1260-1280) hielten sich kaum Besucher auf. Durch geöffnete Fenster hat man die Möglichkeit einen Blick ins Innere zu werfen.







Überall in den Gängen sind die Grabmäler von illustren Persönlichkeiten, u. a. von König Ferdinand, der den Bau der Kathedrale in Auftrag gab, untergebracht,



Vom Kreuzgang aus betritt man die Kapellen, in denen das Dommuseum und der Domschatz untergebracht sind. Zu besichtigen sind u.a. Wandteppiche, liturgisches Gerät, die flämische Gemäldesammlung, Prozessionskreuze und Skulpturen. Ausgestellt sind auch Bücher und Dokumente aus dem Domarchiv u.a. auch der Originalehevertrag des Cid mit seiner Frau, Jimena.

Im Cofre de El Cid befinden sich heute Dokumente des Domarchivs. Zur Truhe des Helden gehört eine ganz eigene Geschichte, die zeigt, dass der Nationalheld für das Erreichen seiner Ziele, auch vor unlauteren Mitteln nicht zurück schreckte.



Der Legende nach soll er die Truhe mit Steinen gefüllt haben und verschlossen, zwei jüdischen Bankern als Sicherheit für ein immenses Darlehen übergeben haben. Sollte er nach einem Jahr nicht von seinem Unternehmen zurückkehren, dürften sie die Truhe, die große Schätze enthalten würde, öffnen. El Cid soll das Darlehen aber, ganz Ehrenmann, nach der Eroberung Valencias zurück gezahlt haben.

Zum Domschatz gehört auch der Altaraufsatz mit Matamoros (Jakobus der Maurentöter)



Auch hier begegnet man selbstverständlich dem Cid, allerdings, zur Abwechslung in modernerer Form.



Das Museum liegt im ältesten Teil der Anlage.



Hier wird die Geschichte der Kathedrale noch ein Mal erläutert und anhand von Ausstellungsstücken illustriert. Ein Modell zeigt, wie die romanische Basilika aussah und auf der Grundplatte sieht man, wie groß die heutige Kathedrale ist.




Durch die Modelle gewinnt man nun endlich auch einen Überblick über das Gebäude.

Der Besuch in der Kathedrale zählte am Ende zu einem der absoluten Highlights der Reise. Allerdings ist, das, was man sieht (das meiste dürfte man sowieso übersehen haben) einfach zu viel.



Gegen 17.00 machten wir uns auf den Rückweg zum Hotel und hielten eine verspätete Siesta, um uns dann erneut ins nächtliche Burgos auf zu machen.


Capitania 20.Jhrdt
Uns fiel auf, dass viel weniger Menschen unterwegs waren, als in der Nacht auf Sonntag. Einige Tapasbars hatten schon geschlossen, andere räumten zusammen und vor vielen Restaurants waren schon die Stühle gestapelt und es war noch nicht ein Mal 23.00 Uhr. Vielleicht ist der Pfingstmontag in Burgos kein Feiertag, vielleicht gibt es aber auch ein Gesetz, das Sonntag nachts eine bestimmte Schließstunde vorschreibt.

Und wie schon in Logrono konnten wir beobachten, dass zu nächtlicher Stunde die Müllabfuhr unterwegs war. Die Fußgängerzonen wurden mit Wasser sauber gespritzt, was in Spanien scheinbar auch nötig ist, denn wie gesagt, was der Spanier nicht braucht landet einfach auf dem Boden.

Am nächsten Morgen saßen wir alleine und ziemlich früh beim Frühstück. Die meisten Gäste waren scheinbar schon am Vortag abgereist.
Bis wir dann gepackt hatten und abreisefertig waren, kam das Leben in der Stadt langsam in Gang.

Es wird behauptet, in Burgos würde der Sommer nur einen Tag lang dauern. Ich meine, so lange der Frühling so sommerlich warm ist (bis auf die Nächte) ist das kein Beinbruch ;)

Bei schönstem Sonnenschein brachen wir auf, die Nordmeseta Spaniens zu durchqueren.




Die Gigantillos illustrieren den alten Burgaleser Brauch bei Umzügen riesige Figuren zu verwenden. Diese beiden sollen eine Hommage an die Bevölkerung der Provinc Burgos sein. Sie stehen vor der Plaza de Espana, einem riesigen Kreisel.