Mit dem Motorrad entlang der Jakobswege ...

... durch Frankreich, über St.Jean-Pied-de-Port, nach Santiago de Compostela und ans "Ende der Welt": Kap Finisterre... zurück, ein Stück entlang dem aragonesischen Weg, über Jaca.Um diese, über 5000 km lange, Reise, die am 17.5.2010 begann und am 3.6.2010 endete, geht es in diesem Blog (aktuellster Beitrag oben! Beginn der Reise "unten").

Ein spezielles Interesse lag auf den Templerorten und der Geschichte des Jakobsweges.


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Donnerstag, 16. April 2015

Tag 15 - Noch weitere Leckerbissen - Reisebericht 32


Nach der Besichtigung verließen wir den Palast und gingen ein Stück über die Plaza davor, bis zu einer Kneipe, die scheinbar vorwiegend sportintressierten Männern als Treff diente. Ich erinnere mich nicht mehr an den Namen, vielleicht deshalb weil es unsere erste und einzige negative Erfahrung mit Lokalen in unserem Urlaub war.

Eigentlich hatten wir vorgehabt, eine Kleinigkeit zu essen, aber alles wirkte so schmuddelig, dass wir es bei unserem alkoholfreien Bier beließen.

Um zu den Motorrädern zurück zu kommen, machten wir einen kleinen Umweg durch die schönen Gassen von Olite.

Fotos durch Anklicken vergrößern






Bei dieser Gelegenheit stießen wir auf noch einen uralten Baum.
Olivenbaum - angeblich 400 Jahre alt
Über San Martin de Unx fuhren wir nun in Richtung Pyrenäen. Dieses Mal konnten wir die Fahrt aber nicht mehr genießen. Ein Baustellen-LKW, von denen es in dieser Region besonders viele gibt, hatte jede Menge Schotter verloren.
Mit gemäßigtem Tempo versuchten wir möglichst wenige dieser Steine mit den Reifen zu treffen.

Zum ersten Mal war ich heilfroh, an der Scrambler einen extra Ölwannenschutz zu haben.

In Sangüesa versorgten wir uns im Supermarkt mit Proviant. Auch diese Stadt wäre sehenswert gewesen, doch unser nächstes Ziel hieß San Salvador de Leyre.

Zunächst jedoch mussten wir wieder mal eine Baustelle durchqueren und die schmale, kurvenreiche Straße zum Kloster hinauf einige Baustellenfahrzeuge überholen.

Sierra de Leyre

Die Gründungszeit des Klosters San Salvador de Leyre ist unbekannt, jedoch liegt sie weit vor dem Jahr 848, wo das Kloster zum ersten Mal schriftlich erwähnt wird.

De Leyre könnte von Eire - Irland kommen und somit auf eingewanderte irische Mönche hinweisen, die ab dem 6. Jhrdt. keine Seltenheit auf dem Kontinent waren.

Das Kloster ist das älteste in Navarra. Es ist Grablege der navarrischen Könige und liegt am Fuß der Sierra de Leyre, oberhalb des Yesa-Stausees.
Vom Parkplatz führt ein Weg bergauf zur Quelle des Heiligen Virila. Ich folgte ihm ein gutes Stück, bis zu einer Ziegenweide, von der ich einen tollen Blick auf das Kloster und den Stausee hatte.

Wären wir nicht so schnell gewesen, hätten wir im Hotel des Klosters (keine Pilgerherberge) übernachten können. Es gibt auch ein Restaurant, Führungen und die Benediktiner hier sind bekannt, für ihre gregorianischen Gesänge.



Deutsche Webseite

Weil es aber noch ein wenig früh war, um sich auf's Übernachten einzurichten fuhren wir wieder hinunter ins Tal des Aragon. Wir folgten ihm, Richtung Jaca und verließen Navarra.

Der Stausee liegt schon in Aragonien.

An seinem Ufer entlang führt eine kurvenreiche, stark befahrene Straße, die immer wieder traumhaft Blicke über türkisblaues Wasser bietet. Sie gehört auch zum aragonesischen Jakobsweg.

Leider hatten wir hier wieder die spanischen LKWs im Nacken sitzen, die uns um den See jagten und uns jede Menge Nerven kosteten. Mit dem Gefühl beim geringsten Verbremsen plattgemacht zu werden, fährt es sich halt nicht besonders entspannt.



Die Landschaft hier hat stark erodierte Felsen zu bieten. Zum Teil thronen auf den Hügeln Städte. Einmal sahen wir einen Ort der wie ein Adlernest an die Felswand geklebt war. Beim Näherkommen war zu erkennen, dass der Ort verlassen war - ein Geisterort, der mich irgendwie an den Film "Der Name der Rose" erinnerte.

Von unterwegs buchten wir ein Zimmer im Hotel "Charlé", kurz hinter der alten Königsstadt Jaca.

Einsam, direkt an der Straße, die über den Somport-Pass nach Frankreich führt, gelegen, fanden wir das Haus auf Anhieb.

Unser Zimmer war im Gegensatz zu den Abbildungen im Web, ziemlich einfach eingerichtet. Dafür war es sauber und lag "nach hinten raus". Statt Autoverkehrslärm hörten wir das Rauschen des Flusses und der Bäume direkt hinter dem Haus.

















Blick Richtung Somportpass und Frankreich
Blick zurück Richtung Jaca

Man hat sich hier auf Reiter und Wintersportler spezialisiert und bietet zum Beispiel geführte Touren durch die Pyrenäen zu Pferde an.

Jetzt, in der Vorsaison, war hier jedoch nichts los. Als wir uns zu einem Schlaftrunk im gemütlichen Aufenthaltsraum, neben der Bartheke niederließen, waren wir die einzigen Gäste.

Während wir am nächsten Morgen die Motorräder wieder beluden, zogen in regelmäßigen Abständen Jakobspilger am Hotel vorbei. Laut Wegweiser haben sie von hier aus noch 832 km vor sich.




Unsere letzte Übernachtung in Spanien kostete uns inkl. Frühstück 60 € - nicht besonders preiswert, für dieses eher einfache, rustikale Haus, aber ok.

Sonntag, 29. März 2015

Tag 15 - Highlights - Reisebericht 31

die Brücke in Logrono am nächsten Morgen
Navarra ist eigentlich schon ein Highlight für sich. Die Landschaft ist abwechslungsreich und die Strecken zum großen Teil sehr schön zum Motorrad fahren, nicht nur von der Streckenführung her, auch von der Straßenqualität her.
Von Logrono aus, fuhren wir ein gutes Stück Richtung Pamplona um dann kurz vor Puente la Reina nach Mendigorra abzubiegen. Wir ließen den Ort, wo man eine römische Siedlung ausgegraben hat, "Links liegen" und fuhren nach Artajona. Nachdem man den Ort fast durchquert hat, kurvt man hinauf zur Festung "El Cerco".

Vergrößern der Bilder durch Anklicken!




Die Festung wurde 1085 begonnen zu bauen und umfasste 14 wuchtige Wehrtürme, von denen heute noch 9 stehen. An der höchsten Stelle, des Festungshügels befindet sich die Wehrkirche San Saturnino, die aus dem 13. Jhrdt stammt. Artajona war die größte Anlage dieser Art in der gesamten Region und im Mittelalter entsprechend begehrt und umkämpft.



Eine Schautafel vermittelt eine Vorstellung davon, wie es einst innerhalb der Mauern aussah.


Innerhalb der Festungsmauern befindet sich nicht etwa ein Freilichtmuseum, sondern ein schmucker Ortsteil von Artajona mit ganz selbstverständlich bewohnten Wohnhäusern.





Vom Burgfried der Burg, die sich innerhalb der Mauern befand, gibt es nur noch einen Stumpf. Von hier aus hat man eine wunderschöne Rundumsicht.


Nach dem Rundgang durch die Festung fuhren wir nach Tafalla, wo wir uns verfuhren und uns auf der Straße nach San Martin de Unx wiederfanden.

Weil wir ja aber nicht hetzen mussten, kehrten wir nicht um, sondern fuhren einfach einen Schlenker. Wir bereuten diese Entscheidung nicht. Die Strecke zwischen San Martin und Olite ist nämlich eine von denen, die man sich zum Motorrad fahren wünscht.

Vom Ortseingang von Olite zum Parkplatz unterhalb des Königspalastes war es nur ein Katzensprung, sodass sich ein umständliches Suchen erübrigte.

Schon vom Parkplatz aus kündigt sich einer der schönsten, gotischen Burgen Europas durch einen Wach- und Aussichtsturm (Turm der vier Winde) an.

Von den Balkonen aus, wohnte der Hochadel Navarra's den Turnieren bei, die unterhalb stattfanden.

Schon zu seiner Zeit war der Palast einer der luxuriösesten überhaupt. Diese Einschätzung durch Zeitgenossen ist sogar schriftlich belegt.
Heute betritt man den "neuen Palast",der zwischen 1402 und 1424 gebaut wurde, durch den ehemaligen Orangenhof. Hier wuchsen früher exotische Bäume. Der Blick geht hinauf zum 40 m hohen Ehrenturm, den es zu erklimmen gilt.

An der Kasse erhielten wir einen deutschspachigen Kurzführer mit Gebäudeplänen, ohne die man sich nur mit Mühe zurechtfinden würde. Zunächst aber kommt man u.a. durch den Bogensaal. Die einzige Funktion dieses Gewölbes besteht darin, den Garten der Königin zu stützen.

Anschließend führt der Rundgang etliche Treppen hinauf. Zum Glück durften wir unsere Motorradjacken usw. an der Kasse hinterlegen. Trotzdem war der Aufstieg in Stiefeln und Motorradhosen, bei sommerlichen Temperaturen, eine schweißtreibende Angelegenheit. Doch wie wir schon des öfteren feststellten, folgte auf außergewöhnliche Strapazen auch ein entsprechender Lohn.






Garten der Königin
Von hier oben kann man auch hinüber, zum alten Palst, sehen, der auf den Resten einer römischen Anlage, im 13. Jhrdt errichtet wurde. Er kann nicht besichtigt werden, weil in ihm ein Parador, ein spanisches Nobelhotel, eingerichtet wurde (Webseite mit Video).

Links im Vordergrund, das Dach der Kirche Santa Maria, die zum Palastkomplex gehört.


Die Besichtigungstour führt nun wieder ein Stockwerk nach unten und durch verschiedene Ausstellungsräume.


Der bis 1813 eigentlich gut erhaltene Palast wurde während des Krieges von einem navarrischen General in Brand gesetzt, um seine Nutzung durch die Franzosen zu verhindern. Dabei verbrannte die gesamte,noch erhaltene Inneneinrichtung (Türen, Gemälde, Wandteppiche, teilweise vergoldete und geschnitzte Holzdecken, Stuck, Böden aus emaillierten Steinen etc.) und es blieb eine Ruine. 1923 gab es eine Ausschreibung der Landesregierung von Navarra, für den Wiederaufbau. Die Projekte sind mit Zeichnungen, Modellen, Fotos etc. ausgestellt.

Danach betritt man die Gemächer der Königin...


...und die des Königs.


Von der Galerie aus, die weltweit einzigartig ist, schaut man hinab in die verschiedenen Höfe. Direkt unter der Galerie des Königs steht ein Maulbeerbaum. König Karl III. "der Edle", Erbauer des neuen Palastes, soll ihn selbst gepflanzt haben.


Im eiförmigen "Eisbrunnen", dem "Mittelalterkühlschrank" des Palastes, der an der kühlsten Stelle von Olite liegt, wurde im Winter Eis und Schnee eingelagert. In dem acht Meter tiefen Brunnen hielt es sich bis in den Sommer.
Den alten Palast und die Überreste der königlichen Privatkapelle, San Jorge, kann man nicht besichtigen.

Wieder geht es hinab, dieses Mal auf das Niveau des Orangenhofs zurück. Dort kommt man am Volierenhof vorbei. Hier hielt der König exotische Vögel, die in den Löchern, im getrockneten Lehm nisteten. Der Hof war mit einem Netz abgedeckt.


Auch den Maulbeerbaum kann man sich nun aus nächster Nähe ansehen. Er ist ein navarrisches Naturdenkmal.



Wie man sieht, war die Besichtung eine der ausführlicheren und sehr lohnend. Vor allem wenn man bedenkt, dass der ganze Spaß nur knapp über 3 € pro Person gekostet hatte.

Googlemaps Tag 15

Tag 14 + 15 Logrono - Reisebericht 30



Ich war mir fast sicher, dass es kein Problem sein würde, am Sonntagabend, wenn die Wochenendbesucher Logrono schon verlassen hatten, ein Zimmer zu bekommen. Das erste Hotel, das wir anriefen, war das f & g Logrono - mein Wunschkandidat. Wie erwartet, hatte man Zimmer frei.Ganz einfach war dann das Auffinden doch nicht. Zu Fuß hätte ich das Hotel gefunden, weil es am Rand der Altstadt liegt, die wir ja schon auf dem Herweg erkundet hatten. Durch die Einbahnstraßen, die das Navi zum Teil nicht kannte, war die Anfahrt aber etwas kompliziert.

Schlussendlich landeten wir, nach einem nicht ganz legalen Wendemanöver auf dem Parkplatz gegenüber. Die Formalitäten waren schnell erledigt und die Dame von der Rezeption, öffnete uns kurz darauf den PKW-Aufzug. Auf diese Weise gelangten wir ganz einfach ins Parkhaus unter dem Hotel und konnten das Gepäck von dort, mit dem Personenaufzug nach oben schaffen.




Von unserem Zimmer aus, sahen wir auf den Rio Ebro und die Brücke, über die auch heute noch der Jakobsweg geht.



Der Nachbar von schräg gegenüber machte sich durch Geklapper bemerkbar.








Die Weißstörche kommen in und um Logrono besonders häufig vor und sind ein Wahrzeichen der Stadt.

Logrono's bewegte Geschichte selbst beginnt schon bei den Kelten. 1092 wurde die Siedlung von El Cid zerstört, der zu dieser Zeit auf maurischer Seite kämpfte. 1095 begann der Wiederaufbau, wieder mal im Auftrag von Alfons VI., um den Pilgern die Überquerung des Ebro zu erleichtern. Die Brücke wurde wahrscheinlich von den späteren Heiligen Domingo Garcia und Juan de Ortega gebaut.




Auch dieses Mal gingen wir am späten Abend auf Streifzug durch die Altstadt. Inzwischen wunderte es uns auch nicht mehr, dass schon relativ früh, für spanische Verhältnisse, die Straßenrestaurants und Tapasbars zu machten. Wir ließen uns im "Drunken Duck" nieder und ich probierte ein Pfännchen mit Kartoffeln und Chorizo.

Am nächsten Morgen waren wir entweder wieder mal zu früh dran, oder wirklich fast die einzigen Gäste. In dem gemütlichen Frühstücksraum herrschte Leere.



Er befindet sich hinter steinernen Bögen, die zu einer Fassade eines Hauses gehören, das hier einmal stand. Man hat diesen Teil erhalten und in das Hotelambiente geschickt integriert.



Die Lobby vor dem Frühstücksraum ist offen bis unters Glasdach. Die Zimmerflure laufen ringsum. Das Ganze erinnert ein bisschen an einen großstädtischen Innenhof.

Das Frühstücksbuffet, mit den mehrsprachigen Hinweisschildchen, bot neben dem Üblichen, auch Rührei, Tortilla, iberischen Schinken mit Tomatensauce ...



Wir bezahlten 62,67€ für die Übernachtung mit Frühstücksbuffet und 13,90 für's Parken incl. Steuern: 82 €