Mit dem Motorrad entlang der Jakobswege ...

... durch Frankreich, über St.Jean-Pied-de-Port, nach Santiago de Compostela und ans "Ende der Welt": Kap Finisterre... zurück, ein Stück entlang dem aragonesischen Weg, über Jaca.Um diese, über 5000 km lange, Reise, die am 17.5.2010 begann und am 3.6.2010 endete, geht es in diesem Blog (aktuellster Beitrag oben! Beginn der Reise "unten").

Ein spezielles Interesse lag auf den Templerorten und der Geschichte des Jakobsweges.


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Freitag, 24. April 2015

Tag 16 bis 18 - Heimfahrt - Reisebericht 34

Wir fuhren also bis in den späten Nachmittag hinein, schätzten ab, wie weit wir bequem noch kommen würden und schauten auf unserer Adressenliste, was als Übernachtungsort in Frage kommen würde.

Auf diese Weise landeten wir am Abend des 1.6. im Hotel "Les Cordeliers", in Casteljaloux.

Das Hotel machte den Eindruck eines Familienbetriebes. Es war sauber, etwas bieder, hat eine Garage und einen eigenen Parkplatz hinter dem Haus. Da es direkt an der Route nationale liegt, ist es zudem noch leicht zu finden.

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Wir hatten uns inzwischen ganz an die spanischen Gepflogenheiten gewöhnt und waren entsprechend überrascht, zu hören, dass das Restaurant des Hotels nur bis 22.00 geöffnet sei. Viel Zeit blieb uns also nicht, wenn wir noch in Ruhe essen wollten.

Im Restaurant erwartete uns die nächste, typisch französische Eigenart. Statt wie in Spanien, wo es alternativ zu einem Gericht die halben und kleinen Portionen gibt, hatten wir hier die Wahl, zwischen ziemlich teurem Essen und einem, im Vergleich dazu, preiswerten Menü. Zum Glück sprach der Ober ein paar Worte englisch und übersetzte, was unklar war.

Wir entschieden uns für das Menü, dessen Komponenten man auswählen konnte. Serviert bekamen wir, ein wirklich sehr gutes und zudem noch kreativ angerichtetes Essen in drei Gängen.

Vielleicht hat sich das Hotel durch sein gutes Essen einen Namen gemacht, jedenfalls war das Restaurant bis auf den letzten Platz besetzt.
vor dem Fenster Parkplätze und Geschäfte
Am nächsten Morgen gab es im gemütlichen Frühstücksraum ein ausführliches Frühstück.

Wir bezahlten für die Übernachtung 50€, "Kurtaxe" 1,26, Frühstück 16€, Abendessen 32€ und für die Garage 9€, insgesamt 108,26 €.

***

Nach der Gascogne, durchquerten wir wieder das Perigord.

So langsam gingen uns die Routes Nationales auf den Geist und als wir eine Rast einlegen wollten, bogen wir von der Straße ab und befanden uns gleich darauf in ländlicher Idylle.

Das was wir schon öfter festgestellt hatten, bestätigte sich erneut: Entlang der Routes nationales hat man sich auf das Publikum, bestehend aus Touristen, Fernfahrern und Geschäftsreisenden eingestellt. Es gibt Tankstellen, Imbisse, billige Unterkünfte usw. 
Das wirklich schöne Frankreich jedoch liegt abseits der vielbefahrenen Straßen.

































Der Hahn musste sein :)





























An diesem Tag kamen wir bis Issoudun, einer Kleinstadt in der Nähe von Bourges.


Dort übernachteten wir in dem geschichtsträchtigen Hotel "Les trois rois".

Bei den drei Königen, die hier ein Stelldichein vor dem Kreuzzug ins heilige Land gehabt haben sollen, handelt es sich um Friedrich Barbarossa, Richard Löwenherz und Philipp II. Auguste.

Das Hotel liegt in einer Einbahnstraße, was wieder einmal die Anfahrt etwas komplizierte. Wir konnten die Motorräder in einer fürchterlich stinkenden Remise im Hinterhof abstellen. Unsere Übernachtung regelten wir etwas mühevoll in englisch-französischem Kauderwelsch.

In dem Haus, das wirklich ein älteres Semester sein muss, bemüht man sich um ein gediegenes Ambiente, das der Geschichte des Hauses Rechnung tragen soll. Was herauskommt ist dieser plüschige, bröckelnde Charme, den man auch als typisch französisch bezeichnen könnte.

(wie ich inzwischen festgestellt habe, hat sich in dem Hotel in Sachen Komfort scheinbar einiges getan/April 2015)

















Möbel wie aus dem Antiquitätenladen, waren in dem großen Zimmer kombiniert mit ein paar modernen Accessoires, Vorhänge und Tagesdecke waren aus schwerem Samt. Und alles, aber auch alles war mehr oder weniger Lila. Vielleicht hatte man ja königlichen Purpur im Sinn gehabt.

Die Speisekarte des Restaurants klärte uns über das gehobene Preisniveau des Hauses auf und wir beschlossen, lieber irgendwo anders essen zu gehen. Der Döner-Kebab-Laden gegenüber war nicht ganz unser Geschmack. Aber nicht weit vom Hotel entfernt, fanden wir eine Pizzeria, wo wir gut und wesentlich preiswerter zu Abend aßen.

Frühstückszimmer




























Das Frühstücksbuffet am nächsten Morgen war wieder sehr reichhaltig und wir waren mit unserem Aufenthalt in Issoudun bis dahin einigermaßen zufrieden. Kurz bevor wir abreisten versagte jedoch die Watermatic der Toilette. Diese Technik lässt zuerst Wasser in die Kloschüssel, um es dann mit lautem Geräusch abzusaugen.

Die Funktionsstörung führte dazu, dass sobald abgesaugt wurde, eine ziemlich ekelhafte Brühe aus der Dusche wieder heraus kam und nicht mehr ablief.

Ich war heilfroh, dass dies erst morgens passierte.

Für unseren Aufenthalt im "Trois Rois" bezahlten wir 65€ für die Übernachtung und 17€ für das Frühstück, also 82€.

Tür zum Restaurant des Hotels




























Hinter Issoudun ging es genauso weiter, wie vorher: kerzengerade Straßen die durch leichte Hügel führten.

Die Umfahrung von Bourges war wieder ziemlich stressig, wegen der extrem vielen Kreisel.

Über Charité-sur-Loire und Auxerre fuhren wir nach Troyes. Unterwegs machten wir nun auch Bekanntschaft mit den Tankstellen, die beim Bezahlen mit der Karte direkt an der Zapfsäule, mit dem Kunden sprechen :D

Einmal funktionierte das Ganze. Beim zweiten Mal wurden unsere Karten einfach nicht akzeptiert. Zum Glück passierte dies während der normalen Ladenöffnungszeiten und das Häuschen zum Bezahlen war besetzt.

Mittagspause

Der Himmel war fast wolkenlos und es war relativ wenig Verkehr. Es lief alles wie am Schnürchen und wir waren sowieso schon vorher viel weiter gekommen, als ich im Voraus angenommen hatte.

Mein Mann meinte: Wenn wir hinter Metz sind, sind wir fast zu Hause und wir würden uns eine Übernachtung sparen - so weit die Theorie.

Um dies auch in die Tat umzusetzen fuhren wir bei Troyes auf die Autobahn. Wir hatten nun auch beide die Nase voll von den Landstraßen, die doch ziemlich viel Energie kosten mit den vielen Ortsdurchfahrten, Ampeln und vor allen Dingen den Kreiseln.

Ein weiterer Grund war, dass wir an diesem Tag ein paar unangenehme Situationen mit Autofahrern hatten, die für uns hätten schlecht ausgehen können. Wir hatten also nicht nur vom Landstraßenmarathon genug, sondern auch von französischen Verkehrsrowdies.

Dies war nun auch der Zeitpunkt, an dem wir mal wieder die Fahrzeuge tauschten.

Es war nun erstaunlich, wie schnell die Entfernung bis nach Hause dahinschmolz.

Bei Einbruch der Dunkelheit befanden wir uns dann an der Grenze. Wir fühlten uns noch fit genug, auch den Rest zu fahren.

Leider hatte ich nicht damit gerechnet, dass wir in eine regelrechte Karawane aus LKWs geraten würden. Die Brummis hatten überall vor der Grenze darauf gewartet, dass das Feiertagsfahrverbot endete und setzten sich nun alle auf einmal in Bewegung. Natürlich gab es Elefantenrennen und das ständige Fahren neben den LKWs nervte. Das erfordert ja schon erhöhte Aufmerksamkeit und nach 10 Stunden fahren, hat man die einfach nicht mehr so locker.

Dazu kam der, für uns nun, ungewohnt dichte und schnell fahrende Verkehr in Deutschland, sowie schattige Temperaturen im Pfälzerwald.

Auf einmal war bei mir Ende mit Energie und wie in den Bergen bei O Cebreiro, hatte ich auch hier das Gefühl, dass die Scrambler mit mir fuhr und nicht umgekehrt. Im Gegensatz zu der Situation in Spanien ging es aber hier nicht nur um 20 km, die man im Großen und Ganzen ohne auf andere Verkehrsteilnehmer zu stoßen, hinter sich bringen musste.

Konkret fuhren wir bis zu einer Raststätte, wo ich mit der Abfahrt schon so überfordert war, dass ich bei Tempo 50 fast vom Moped fiel. Der Kreislauf war völlig im Keller und ich wärmte mich dann auch erst mal auf der Toilette auf. Mein Mann bot mir an, mich nach Hause zu fahren, während das Gepäck und der Scrambler hier bleiben sollten. Auf keinen Fall! - war meine Antwort.

Also brachten wir die letzten Kilometer auch noch, allerdings mit Hängen und Würgen, hinter uns.

An dieser Stelle ein Danke an die Schutzengel, die uns begleitet haben.

Es gab, wie immer beim Motorrad fahren, genug Situationen, die böse hätten enden können. Darüber darf man beim Fahren aber nicht lange nachdenken, sonst wird man unsicher und es passiert erst recht was.

Dass wir den letzten Abschnitt bis zu Ende gefahren sind, lag am falschen Einschätzen der Situation und dem überschätzen der eigenen Fähigkeiten.

Das nächste Mal werden wir dann hoffentlich wirklich schlauer sein und übernachten, wenn es nötig ist, auch wenn es nur noch "ein kurzes Stück" bis nach Hause ist!

Als wir zu Hause ankamen, waren wir 5120 km gefahren.



Tag 16 - Das Beste zum Schluss - Reisebericht 33

Nachdem wir bis zu unserem letzten Tag in Spanien so unglaublich viel gesehen hatten, was wirklich mit Highlight betitelt werden kann, war klar, dass unser letztes Ziel es schwer haben würde, uns zu beeindrucken.

San Juan de la Pena gelang das allerdings spielend!

Für unseren letzten Ausflug in Spanien fuhren wir vom Hotel Charlé wieder nach Jaca und von dort aus noch einmal ein gutes Stück entlang dem aragonesischen Jakobsweg zurück, Richtung Pamplona. Von der Hauptstraße geht es dann gut beschildert, zunächst durch Santa Cruz de la Seros und dann eine schmale Straße hinauf zum Felsenkloster. Unterwegs bieten sich immer wieder atemberaubend schöne Ausblicke ins Tal hinunter, auf die Felswände in nächster Nähe und die, noch schneebedeckten, Gipfel der Pyrenäen.

Nach etlichen Kurven und Kehren hat man es vom tiefer gelegenen Santa Cruz in die Höhe und dann an der Felswand entlang, bis zu einem kleinen Parkplatz geschafft. Dort wollte ein junger Mann von uns wissen, ob wir nur das alte oder auch das neue Kloster besuchen wollten.

Weil wir uns nur Zeit für das alte Kloster nehmen wollten, sollten wir die Motorräder gleich an Ort und Stelle lassen. Es war eine der wenigen Gelegenheiten, wo wir sie, vollbepackt, guten Gewissens für längere Zeit aus den Augen lassen konnten.

Blick durch die Baumkronen am Straßenrand

Ein kurzer Fußmarsch und schon kam das unglaubliche Ensemble von San Juan de la Pena in Sicht.

Unter einer senkrecht abfallenden, rötlich gesprenkelten Felswand ducken sich mehrere Klostergebäude unter den Überhang.








































rechts Ruinen von weiteren Gebäuden des Klosterkomplexes































Wir bezahlten an einem Kassenhäuschen 6€ pro Nase. Dafür hätten wir später auch noch die Kirche in Santa Cruz besichtigen können.

Als erstes betritt man dann auf seiner Besichtigungstour den Schlafsaal der Mönche. Die Rückwand besteht aus der Felswand. Als wir das Kloster besichtigten, war es draußen schon ziemlich warm. Drinnen jedoch sehr kühl. Einen Kamin sucht man hier vergebens und ich könnte mir denken, dass das Leben hier, besonders in der kalten Jahreszeit ziemlich hart war.


Blick zum heutigen Eingang
















Die Mönche hatten jedoch fließendes Wasser hier. In einer Mauer gibt es es ein schmales Fenster und dahinter rinnt Wasser über den Fels.

Einige Schritte weiter betritt man die untere bzw. niedere Kirche, die den Kern des Klosters darstellte. Sie wurde nach der Rückeroberung des Gebietes von den Arabern, 920 gegründet.

Im Boden eingelassen sind Gräber von Äbten.



































Steigt man die Treppen am Eingang des Schlafsaals hinauf, kommt man in einen Hof, dessen Wand mit zahlreichen Wappen verziert ist. Hinter jedem Wappen befindet sich das Grab eines Adligen.

Auch der erste König von Aragon, Ramiro I. liegt hier begraben und weil San Juan de la Pena nun Königsgruft war, überließen die Reichen jener Zeit, dem Kloster beträchtliches Vermögen und Besitzungen, um auch hier begraben zu werden.

In einigen kleineren Räumen befindet sich eine Ausstellung zum Leben im Mittelalter und speziell im Kloster.

In einem der Räume kann man sich noch den Brotbackofen ansehen. Die Decke des Raumes besteht aus rußgeschwärztem Fels.



Die obere/hohe Kirche stammt aus dem Jahr 1094 und ist San Juan (Johannes dem Täufer) geweiht. Sie steht über der niederen Kirche.

Der Fels dient auch hier als Decke.



Und hier befindet sich auch die Replik einer der heiligsten Reliquien der Christenheit. Es handelt sich um ein Gefäß, von dem man im Mittelalter annahm, dass es das Blut des gekreuzigten Jesus aufgefangen hat. Es soll aber auch der selbe Becher sein, den Jesus beim letzten Abendmahl benutzte.

Um diesen Becher (hier der sogen. Santo Cáliz) aus Halbedelstein, der auf einer Halterung befestigt ist, ranken sich Sagen und Legenden. Unter anderem ist er Teil der Artussage und des Parzival. Er war bestimmt Ziel zahlreicher, entbehrungsreicher Wallfahrten, aber auch begehrenswert und deshalb hart umkämpft.

Auf der Flucht vor den Arabern, wanderte das heilige Gefäß durch verschiedene, in unzugänglichen Tälern in den Pyrenäen versteckte, Klöster.

Auch das damals bestimmt nur schwer zu erreichende San Juan de la Pena war Aufbewahrungsort des Grals und könnte auch die Gralsburg gewesen sein. Vieles spricht dafür, dass sich hier Dinge ereigneten, die dann Eingang in die Legenden um den Gral gefunden haben.

Auch die Templer, die ja auch manchmal als Gralshüter bezeichnet werden, passen dann ins Bild. König Alfonso vererbte ihnen immerhin einen Drittel seines gesamten Besitzes und vielleicht auch den Gral?

Ausführlich zum Gral in San Juan und in diesem Zusammenhang über die Johannesrittern, die Templer...



Seitlich kann man in eine Königsgruft aus dem 18. Jhrdt. sehen.

Verlässt man die Kirche, tritt man auf eine "Terasse" hinaus, die wiederum Zugang zu zwei Kapellen und dem Kreuzgang gewährt, dem eigentlichen Schatz des Klosters.





Er war scheinbar freistehend und trug kein Dach. Der Felsen als Decke schien auch hier zu genügen. Allerdings wird vermutet, dass die Mauer zur heutigen Straße, mit entsprechenden Fenstern versehen, vielleicht bis zur Felsendecke hinaufreichte.

In den Kapitellen des Kreuzganges (12. und 13.Jhrdt.) kann man sich die Genesis und wichtige Stationen aus dem Leben Jesu ansehen. Die Skulpturen sind besonders ausdrucksstark, aber auch in ihrem ganz eigenen Stil, einfach schön!

Jesus verzeiht der Ehebrecherin



Abendmahl



Im Hintergrund sammelt sich das Wasser, das hier aus dem Felsen austritt in einem Becken.



Das Kloster verlor ab dem 12. Jhrdt. langsam an Bedeutung. Im 17. Jhrdt. wurde es aus verschiedenen Gründen, nach einem verheerenden Brand aufgegeben.

Einige Kilometer weiter findet man dann an der Stelle, wo das neue Kloster stand, einen Neubau. Er beherbergt moderne Dokumentationszentren zum Klosterleben vor Ort und zum Königreich Aragon.

Eigentlich sollte man beide Klöster besuchen. Die Homepage macht jedenfalls Lust darauf.

In der Rückschau ist mir San Juan de la Pena jedenfalls als einer der Orte an den Jakobswegen in Erinnerung, die mich mit ihrer ganz eigenen Magie und hier mit ihrer erhabenen Stille gefangen nahmen und noch lange Zeit nachwirkten.

Getoppt wurde San Juan de la Pena dann nur noch von der Bergwelt der Pyrenäen.

Aussicht von einem Aussichtspunkt auf der Rückfahrt


Blick auf die Straße die von Santa Cruz de la Seros herauf führt
Vorbei an Jaca und dem Hotel Charlé ging es nun endgültig, entlang dem aragonesischen Jakobsweg, Richtung Frankreich.

Weil wir eine ausreichende Portion an Kurven schon zum Kloster hinauf (und wieder hinunter) gehabt hatten, fuhren wir nicht hinauf, in die Wintersportorte um den Somportpass, sondern nutzten den über 8 km langen Tunnel. Die Fahrt durch den Berg, glich einem Aufenthalt im Kühlschrank.



französische Seite - ein Blick zurück
die Pyrenäen auf französisch :)







Die Straße, die nun aus den Pyrenäen heraus führt hatte dann doch noch einiges an Kurvengeschlängel parat. Allerdings kamen wir flott voran und dann hieß es nur noch heimwärts und Kilometer machen.


Googlemaps Tag 16

Donnerstag, 16. April 2015

Tag 15 - Noch weitere Leckerbissen - Reisebericht 32


Nach der Besichtigung verließen wir den Palast und gingen ein Stück über die Plaza davor, bis zu einer Kneipe, die scheinbar vorwiegend sportintressierten Männern als Treff diente. Ich erinnere mich nicht mehr an den Namen, vielleicht deshalb weil es unsere erste und einzige negative Erfahrung mit Lokalen in unserem Urlaub war.

Eigentlich hatten wir vorgehabt, eine Kleinigkeit zu essen, aber alles wirkte so schmuddelig, dass wir es bei unserem alkoholfreien Bier beließen.

Um zu den Motorrädern zurück zu kommen, machten wir einen kleinen Umweg durch die schönen Gassen von Olite.

Fotos durch Anklicken vergrößern






Bei dieser Gelegenheit stießen wir auf noch einen uralten Baum.
Olivenbaum - angeblich 400 Jahre alt
Über San Martin de Unx fuhren wir nun in Richtung Pyrenäen. Dieses Mal konnten wir die Fahrt aber nicht mehr genießen. Ein Baustellen-LKW, von denen es in dieser Region besonders viele gibt, hatte jede Menge Schotter verloren.
Mit gemäßigtem Tempo versuchten wir möglichst wenige dieser Steine mit den Reifen zu treffen.

Zum ersten Mal war ich heilfroh, an der Scrambler einen extra Ölwannenschutz zu haben.

In Sangüesa versorgten wir uns im Supermarkt mit Proviant. Auch diese Stadt wäre sehenswert gewesen, doch unser nächstes Ziel hieß San Salvador de Leyre.

Zunächst jedoch mussten wir wieder mal eine Baustelle durchqueren und die schmale, kurvenreiche Straße zum Kloster hinauf einige Baustellenfahrzeuge überholen.

Sierra de Leyre

Die Gründungszeit des Klosters San Salvador de Leyre ist unbekannt, jedoch liegt sie weit vor dem Jahr 848, wo das Kloster zum ersten Mal schriftlich erwähnt wird.

De Leyre könnte von Eire - Irland kommen und somit auf eingewanderte irische Mönche hinweisen, die ab dem 6. Jhrdt. keine Seltenheit auf dem Kontinent waren.

Das Kloster ist das älteste in Navarra. Es ist Grablege der navarrischen Könige und liegt am Fuß der Sierra de Leyre, oberhalb des Yesa-Stausees.
Vom Parkplatz führt ein Weg bergauf zur Quelle des Heiligen Virila. Ich folgte ihm ein gutes Stück, bis zu einer Ziegenweide, von der ich einen tollen Blick auf das Kloster und den Stausee hatte.

Wären wir nicht so schnell gewesen, hätten wir im Hotel des Klosters (keine Pilgerherberge) übernachten können. Es gibt auch ein Restaurant, Führungen und die Benediktiner hier sind bekannt, für ihre gregorianischen Gesänge.



Deutsche Webseite

Weil es aber noch ein wenig früh war, um sich auf's Übernachten einzurichten fuhren wir wieder hinunter ins Tal des Aragon. Wir folgten ihm, Richtung Jaca und verließen Navarra.

Der Stausee liegt schon in Aragonien.

An seinem Ufer entlang führt eine kurvenreiche, stark befahrene Straße, die immer wieder traumhaft Blicke über türkisblaues Wasser bietet. Sie gehört auch zum aragonesischen Jakobsweg.

Leider hatten wir hier wieder die spanischen LKWs im Nacken sitzen, die uns um den See jagten und uns jede Menge Nerven kosteten. Mit dem Gefühl beim geringsten Verbremsen plattgemacht zu werden, fährt es sich halt nicht besonders entspannt.



Die Landschaft hier hat stark erodierte Felsen zu bieten. Zum Teil thronen auf den Hügeln Städte. Einmal sahen wir einen Ort der wie ein Adlernest an die Felswand geklebt war. Beim Näherkommen war zu erkennen, dass der Ort verlassen war - ein Geisterort, der mich irgendwie an den Film "Der Name der Rose" erinnerte.

Von unterwegs buchten wir ein Zimmer im Hotel "Charlé", kurz hinter der alten Königsstadt Jaca.

Einsam, direkt an der Straße, die über den Somport-Pass nach Frankreich führt, gelegen, fanden wir das Haus auf Anhieb.

Unser Zimmer war im Gegensatz zu den Abbildungen im Web, ziemlich einfach eingerichtet. Dafür war es sauber und lag "nach hinten raus". Statt Autoverkehrslärm hörten wir das Rauschen des Flusses und der Bäume direkt hinter dem Haus.

















Blick Richtung Somportpass und Frankreich
Blick zurück Richtung Jaca

Man hat sich hier auf Reiter und Wintersportler spezialisiert und bietet zum Beispiel geführte Touren durch die Pyrenäen zu Pferde an.

Jetzt, in der Vorsaison, war hier jedoch nichts los. Als wir uns zu einem Schlaftrunk im gemütlichen Aufenthaltsraum, neben der Bartheke niederließen, waren wir die einzigen Gäste.

Während wir am nächsten Morgen die Motorräder wieder beluden, zogen in regelmäßigen Abständen Jakobspilger am Hotel vorbei. Laut Wegweiser haben sie von hier aus noch 832 km vor sich.




Unsere letzte Übernachtung in Spanien kostete uns inkl. Frühstück 60 € - nicht besonders preiswert, für dieses eher einfache, rustikale Haus, aber ok.

Sonntag, 29. März 2015

Tag 15 - Highlights - Reisebericht 31

die Brücke in Logrono am nächsten Morgen
Navarra ist eigentlich schon ein Highlight für sich. Die Landschaft ist abwechslungsreich und die Strecken zum großen Teil sehr schön zum Motorrad fahren, nicht nur von der Streckenführung her, auch von der Straßenqualität her.
Von Logrono aus, fuhren wir ein gutes Stück Richtung Pamplona um dann kurz vor Puente la Reina nach Mendigorra abzubiegen. Wir ließen den Ort, wo man eine römische Siedlung ausgegraben hat, "Links liegen" und fuhren nach Artajona. Nachdem man den Ort fast durchquert hat, kurvt man hinauf zur Festung "El Cerco".

Vergrößern der Bilder durch Anklicken!




Die Festung wurde 1085 begonnen zu bauen und umfasste 14 wuchtige Wehrtürme, von denen heute noch 9 stehen. An der höchsten Stelle, des Festungshügels befindet sich die Wehrkirche San Saturnino, die aus dem 13. Jhrdt stammt. Artajona war die größte Anlage dieser Art in der gesamten Region und im Mittelalter entsprechend begehrt und umkämpft.



Eine Schautafel vermittelt eine Vorstellung davon, wie es einst innerhalb der Mauern aussah.


Innerhalb der Festungsmauern befindet sich nicht etwa ein Freilichtmuseum, sondern ein schmucker Ortsteil von Artajona mit ganz selbstverständlich bewohnten Wohnhäusern.





Vom Burgfried der Burg, die sich innerhalb der Mauern befand, gibt es nur noch einen Stumpf. Von hier aus hat man eine wunderschöne Rundumsicht.


Nach dem Rundgang durch die Festung fuhren wir nach Tafalla, wo wir uns verfuhren und uns auf der Straße nach San Martin de Unx wiederfanden.

Weil wir ja aber nicht hetzen mussten, kehrten wir nicht um, sondern fuhren einfach einen Schlenker. Wir bereuten diese Entscheidung nicht. Die Strecke zwischen San Martin und Olite ist nämlich eine von denen, die man sich zum Motorrad fahren wünscht.

Vom Ortseingang von Olite zum Parkplatz unterhalb des Königspalastes war es nur ein Katzensprung, sodass sich ein umständliches Suchen erübrigte.

Schon vom Parkplatz aus kündigt sich einer der schönsten, gotischen Burgen Europas durch einen Wach- und Aussichtsturm (Turm der vier Winde) an.

Von den Balkonen aus, wohnte der Hochadel Navarra's den Turnieren bei, die unterhalb stattfanden.

Schon zu seiner Zeit war der Palast einer der luxuriösesten überhaupt. Diese Einschätzung durch Zeitgenossen ist sogar schriftlich belegt.
Heute betritt man den "neuen Palast",der zwischen 1402 und 1424 gebaut wurde, durch den ehemaligen Orangenhof. Hier wuchsen früher exotische Bäume. Der Blick geht hinauf zum 40 m hohen Ehrenturm, den es zu erklimmen gilt.

An der Kasse erhielten wir einen deutschspachigen Kurzführer mit Gebäudeplänen, ohne die man sich nur mit Mühe zurechtfinden würde. Zunächst aber kommt man u.a. durch den Bogensaal. Die einzige Funktion dieses Gewölbes besteht darin, den Garten der Königin zu stützen.

Anschließend führt der Rundgang etliche Treppen hinauf. Zum Glück durften wir unsere Motorradjacken usw. an der Kasse hinterlegen. Trotzdem war der Aufstieg in Stiefeln und Motorradhosen, bei sommerlichen Temperaturen, eine schweißtreibende Angelegenheit. Doch wie wir schon des öfteren feststellten, folgte auf außergewöhnliche Strapazen auch ein entsprechender Lohn.






Garten der Königin
Von hier oben kann man auch hinüber, zum alten Palst, sehen, der auf den Resten einer römischen Anlage, im 13. Jhrdt errichtet wurde. Er kann nicht besichtigt werden, weil in ihm ein Parador, ein spanisches Nobelhotel, eingerichtet wurde (Webseite mit Video).

Links im Vordergrund, das Dach der Kirche Santa Maria, die zum Palastkomplex gehört.


Die Besichtigungstour führt nun wieder ein Stockwerk nach unten und durch verschiedene Ausstellungsräume.


Der bis 1813 eigentlich gut erhaltene Palast wurde während des Krieges von einem navarrischen General in Brand gesetzt, um seine Nutzung durch die Franzosen zu verhindern. Dabei verbrannte die gesamte,noch erhaltene Inneneinrichtung (Türen, Gemälde, Wandteppiche, teilweise vergoldete und geschnitzte Holzdecken, Stuck, Böden aus emaillierten Steinen etc.) und es blieb eine Ruine. 1923 gab es eine Ausschreibung der Landesregierung von Navarra, für den Wiederaufbau. Die Projekte sind mit Zeichnungen, Modellen, Fotos etc. ausgestellt.

Danach betritt man die Gemächer der Königin...


...und die des Königs.


Von der Galerie aus, die weltweit einzigartig ist, schaut man hinab in die verschiedenen Höfe. Direkt unter der Galerie des Königs steht ein Maulbeerbaum. König Karl III. "der Edle", Erbauer des neuen Palastes, soll ihn selbst gepflanzt haben.


Im eiförmigen "Eisbrunnen", dem "Mittelalterkühlschrank" des Palastes, der an der kühlsten Stelle von Olite liegt, wurde im Winter Eis und Schnee eingelagert. In dem acht Meter tiefen Brunnen hielt es sich bis in den Sommer.
Den alten Palast und die Überreste der königlichen Privatkapelle, San Jorge, kann man nicht besichtigen.

Wieder geht es hinab, dieses Mal auf das Niveau des Orangenhofs zurück. Dort kommt man am Volierenhof vorbei. Hier hielt der König exotische Vögel, die in den Löchern, im getrockneten Lehm nisteten. Der Hof war mit einem Netz abgedeckt.


Auch den Maulbeerbaum kann man sich nun aus nächster Nähe ansehen. Er ist ein navarrisches Naturdenkmal.



Wie man sieht, war die Besichtung eine der ausführlicheren und sehr lohnend. Vor allem wenn man bedenkt, dass der ganze Spaß nur knapp über 3 € pro Person gekostet hatte.